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Auf der Seenplatte in Mecklenburg und Brandenburg

14.08.2020

Als Mitte Mai klar ist, dass wir unseren Paddelurlaub nicht in Schottland, aber vielleicht in Deutschland machen können, gerät schnell die Seenplatte nördlich von Berlin ins Blickfeld.

Wir, also Philipp, meine Frau Biggi und ich (Erich), planen eine Woche auf dem Campingplatz Carwitz an den Feldberger Seen und 1 ½ Wochen mit einer Gepäckwanderfahrt im Bereich der Müritz-Kleinseenplatte zu verbringen. Situativ ist dazu eine Vorreservierung der Übernachtungen nötig. Für die Gepäckwanderfahrt etwas mühsam – wir buchen jeweils 2 Übernachtungen. Das gibt uns die Möglichkeit zu Ruhetagen, Tagesrundfahrten oder Wanderungen bzw. Besichtigungen.

So erreichen wir am ersten Juni-Wochenende Carwitz und richten uns auf dem Campingplatz “Klein & Fein“ ein. Die Trockenheit der letzten 2 Jahre sorgt für einen niedrigen Wasserstand, doch das Wasser ist klar und sauber. Die erste Paddeltour führt uns über Dreetzsee und Krüselinsee zur Krüseliner Mühle, wo wir spontan noch einen Tisch zum lecker Einkehren ergattern. Auf der Rückfahrt liegen die Boote tiefer… In der Dämmerung beobachten wir am Platz verschieden große Fledermäuse, schöne Stimmung. Das Wetter ist gut, sodass es am nächsten Tag zu einer etwas größeren Tour über Carwitzer See und Zansen geht, Badepause inclusive. Übrigens ist das Land hier gar nicht so „platt“ – die Seen sind Gletschertäler aus der letzten Eiszeit. So bringt auch der Abendspaziergang über den Hauptmannsberg eine tolle Aussicht, später ergänzt durch den stimmungsvollen Sonnenuntergang. Um das Sitzfleisch zu entlasten, erkunden wir am Folgetag den Ort Feldberg über schöne Wanderwege zu Fuß. Das der Schmale und Breite Luzin von uns mit dem Kajak durchmessen wird, ist klar. Der Imbiss an der Nordspitze des breiten Luzin ist recht bekannt. Nach soviel Aktivität ist mal ein „Ruhetag“ fällig, an dem jeder seinen ganz eigenen Interessen folgt. Am letzten Tag, im Revier Feldberger Seen, paddeln wir nochmal die schöne Strecke zur Krüseliner Mühle – wie gehabt.

In weniger als einer Stunde wird dann mit dem Auto (welches während der Woche in Carwitz stehen blieb) nach Wesenberg zum Stadthafen umgesetzt. Gerade als die Zelte stehen, kommt ordentlich Regen – Natur & Landwirten zur Freude. Im örtlichen Supermarkt ergänzen wir nochmal unsere Lebensmittel für die folgende Gepäckwanderfahrt. Wer im Müritz-Kleinseengebiet Mangel leidet, ist aber selbst schuld, denn an den Campingplätzen gibt es oft kleine Läden mit dem Nötigsten und gelegentlich lädt ein „Müritz-Fischer“ zur Einkehr.Die Infrastruktur in diesem Gebiet entspricht dem stärkeren Tourismus. Vor allem im Bereich der Havel-Wasserstraße sind viele Hausflöße und Charterboote unterwegs. An den Schleusen gibt es Wartezeiten, wobei die Kajakfahrer oft noch zwischenrein passen oder mit einem Gleiswagen umsetzen können. Unsere erste Wanderetappe führt über längere Kanalstrecken durch den Großen Priepertsee in den Ellbogensee zum Naturcamping bei Großmenow mit schöner Wiese. Ungefähr auf halber Strecke, neben der überdachten Ahrensberger Hausbrücke ist auch ein „Müritz-Fischer“. Den nächsten Tag wandern wir zum Stechlin, nach dem Theodor Fontane einen späten Roman benannt hat. Dort wird auch der Einfluss des früheren AKW´s Rheinsberg erforscht. Auf der Weiterfahrt werden überwiegend Seen durchquert, mit 2 Schleusen auf dem Weg. Im Bereich Canow sind die Ufer mit vielen Wochenendhäusern bebaut. Das Bieber-Camp an der Diemitzer Schleuse ist ein großer Platz mit Laden, Gastronomie und weitem Weg zum Klo. Nächtlichen Besuch bekommen wir mutmaßlich von einem Waschbär, der gezielt eine Banane aus Philipp´s Boot frisst (evtl. war die Luke nicht richtig zu). Den zweiten Tag nutzen wir für eine Rundfahrt über Wustrow, zurück durch den Rätzsee (angenehm weil fast keine Motorboote) vorbei an der Fleether Mühle. Bei trübem Wetter paddeln wir an Mirow vorbei zur Kanu-Station Granzow. Nebendran wurde eine große Feriensiedlung aus dem Boden gestampft. Die erste und einzige Störung der Nachtruhe durch Fußball-Fans während der Reise geht auch von dort aus. Bei durchsetztem Wetter ist mal wieder ein Ruhetag fällig. Weiter geht es tags drauf durchs „Seerosenparadies“ längs der alten Fahrt zur Müritz. Dort hat der Wind Wellen aufgebaut, die für etwas Abwechslung und Seekajak-Feeling sorgen. Am Übergang zur kleinen Müritz können wir erstmals, aber umso besser Seeadler beobachten. Wenig später erreichen wir den gastfreundlichen Hafen von Rechlin. Dort sind auch die originellen Tret-Hausboote für 2 Personen mit seitlichem Schaufelrad stationiert. Gastronomisch bekommen wir einen Döner/Pizza-Takeaway (Qualität o.k.) zu fassen, ansonsten gibt es „Netto“. In Erinnerung bleiben mir die schönen Sonnenuntergänge bzw. Abendstimmungen am Steg neben dem Hafen.Nachdem wir am nächsten Tag wenigstens meinen wasserdichten Fotoapparat wiederfinden (Foto & Sonnenbrille waren bei der Adlersichtung durch Ungeschick ins Wasser gefallen), erkunden wir noch das Südende der Müritz. Die kurze letzte Etappe nach Mirow über die Müritz-Havel-Wasserstraße ist schnell geschafft, sodaß ich mittags mit nur 12km Zugtransfer nach Wesenberg das Auto hole. Zwei Übernachtungen haben wir noch auf der Schlaborn-Halbinsel bei Zechlinerhütte. Der einfache Platz mit rustikaler Anfahrt gefällt uns. Zum Abschluss paddeln wir nach Rheinsberg mit seinem sehenswerten Schloss, pausieren aber bei der französisch beschrifteten Säule gegenüber. An Zechlinerhütte vorbei geht es dann durch den idyllischen Dolgowsee nach Kagar und wieder zurück. Mit diesem ausgefüllten Tag geht unsere Reise zu Ende. Rückblickend haben wir ein schönes Revier wiederentdeckt und das Beste aus der Situation gemacht. Für Interessenten empfehle ich (so wie wir) nicht in der Hauptsaison dorthin zu fahren.

Erich Scadock